Inflation: Von Beruhigung keine Spur

Frankfurt, 19. August 2022

 

An den Märkten hingen offenbar die Erwartungen zuletzt so niedrig, dass sich die Aktienkurse sogar in einer Woche wie der soeben vergangenen überraschend gut halten konnten. Dabei fielen zu Beginn der Woche die Pegelstände am Rhein so tief, dass der Frachtschiffverkehr praktisch zum Erliegen kam. Die daraus resultierenden Transportprobleme schmerzen mehr denn je. Denn um den absehbaren Gasmangel mit Blick auf die Stromversorgung auszugleichen, brauchen die Kohlekraftwerke mehr Material. Dieses wird knapper und teurer, wenn es statt übers Wasser mühsam über die Schienen transportiert werden muss – von den Lieferkettenproblemen bei vielen anderen Gütern ganz zu schweigen. Umso größer ist zurzeit die Freude über jeden Tropfen Regen, der den Transport übers Wasser erleichtert. Beim Thema Inflation ist hingegen von Entspannung keine Spur. Vielmehr steigen die Inflationserwartungen gerade wieder an. Grund dafür sind die seit Anfang August sprunghaft gestiegenen Strom- und Gaspreise. Unternehmen und private Haushalte werden dies in Form von höheren Energiekosten zu spüren bekommen.

 

In der kommenden Woche richten sich die Blicke der Finanzmarktteilnehmer Richtung Westen. Die jährlich stattfindende geldpolitische Konferenz der US-Notenbank Fed in Jackson Hole startet am Donnerstag. Gerade in einer Zeit, in der die Unsicherheit sehr hoch ist, dürfte jedes Wort von Fed-Chef Powell auf die Goldwaage gelegt werden. Die Frage steht im Raum, wie weit die US-Notenbank mit ihren Leitzinserhöhungen gehen wird. Interessant könnten auch Kommentare von Notenbankern werden, die sich mit der möglichen Inflationsentwicklung in einer Welt mit auslaufenden Globalisierungseffekten beschäftigen. Für den kurzfristigen Konjunkturausblick sind dagegen die Veröffentlichungen der vorläufigen Einkaufsmanagerindizes sowie des ifo-Geschäftsklimas für Deutschland relevant. Von ernüchternden Signalen für einen „frostigen“ Konjunkturwinter kann ausgegangen werden.

 

 

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Erholung trotz widriger Umstände  

Frankfurt, 12. August 2022

 

Die Aktienmärkte setzten in der zurückliegenden Woche ihren Höhenflug fort. Zwar sind die Kurse noch meilenweit von ihren bisherigen Höchstständen entfernt, sie verharren allerdings auch nicht mehr im Tal der Konjunkturtränen, in dem sie noch in den vergangenen Monaten verweilten. Grund dafür gibt es eigentlich nicht, denn die konjunkturellen Perspektiven haben sich noch nicht aufgehellt. Im Gegenteil: Immer deutlicher zeichnen sich die Schäden ab, die die hohen Inflationsraten beim Konsumenten anrichten. Die vergangene Kauflaune macht sich auch bei immer mehr Unternehmen bemerkbar. Sie melden wegen der schwächelnden Nachfrage steigende Lagerbestände. Die diskutierten Ausgleichsmaßnahmen durch steuerliche Erleichterungen sind von der Entlastungswirkung her zwar wichtig. Die Debatte darüber verdeutlicht jedoch, dass der Staat nicht alle inflationsbedingten Wohlstandsausfälle ausgleichen kann. Die Ungewissheit über die Energieversorgung in den kommenden Monaten ist ebenfalls nicht geringer geworden, so dass sich Unternehmen mit Investitionen zurückhalten. Ebenfalls belasten die niedrigen Pegelstände an Rhein und weiteren wichtigen Wasserstraßen. Damit verbundene Versorgungsengpässe vor allen Dingen süddeutscher Unternehmen setzen hier noch eins drauf.

 

Zu all diesen negativen Entwicklungen steht das freundliche Börsengeschehen anscheinend in deutlichem Widerspruch. Hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Aktienmärkte eine starke Abkühlung des Wirtschaftsgeschehens bereits in den vergangenen Monaten vorweggenommen haben. Der Blick geht schon wieder weit ins kommende Jahr hinein. Und hier zählt vor allem, dass die Gefahr weiterer Zinssteigerungen über das bisher angenommene Ausmaß sehr stark nachgelassen hat. Dies äußert sich in einer Erleichterungsrallye. Damit dürfte jedoch an den Aktienmärkten das letzte Wort über die gegenwärtigen widrigen Umstände noch nicht gesprochen sein.

 

 

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Aktienmärkte trotzen der Politik

Frankfurt, 05. August 2022

 

Die abgelaufene Börsenwoche stand zu Beginn ganz im Zeichen der Geopolitik. Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hatte trotz Warnungen der Volksrepublik China Taiwan einen Besuch abgestattet. Das war der höchste Besuch eines US-Vertreters in den vergangenen 25 Jahren. Pelosi sicherte Taiwan, dessen Unabhängigkeit offiziell nicht anerkannt wird, Unterstützung für den Schutz der Demokratie zu. Die chinesische Regierung reagierte auf den Besuch mit wirtschaftlichen Sanktionen gegen Taiwan – nicht jedoch gegen die USA – mit einer deutlichen Ausweitung der militärischen Übungen um Taiwan und mit Drohungen gegen die USA. Die Episode deutet darauf hin, dass der in den letzten Jahrzenten schwelende Konflikt um die Unabhängigkeit Taiwans in eine neue Phase eingetreten ist.

 

Nirgendwo ist deutlicher zu erkennen, dass mit der wirtschaftlichen Erstarkung Chinas auch politische und militärische Gewichtsverlagerungen vor sich gehen. Zwar sprechen in naher Zukunft eine Reihe von geostrategischen Gründe gegen eine solche Konfrontation. Wie unsicher solche Einschätzungen jedoch sein können, hat der russische Angriff auf die Ukraine gezeigt, der auch langjährige Beobachter überraschte. Die Reaktionen an den Finanzmärkten hielten sich jedoch in Grenzen. An den Aktienmärkten gab es sogar geradezu eine Zwischenrallye mit Zuwächsen von mehr 5 Prozent in Deutschland und fast 8 Prozent in den USA. Hier sind es die Hoffnungen auf ein Nachlassen der geldpolitischen Straffung durch die Notenbanken vor dem Hintergrund unsicherer Konjunkturaussichten. Zwar ist es richtig, dass bereits viel Konjunkturpessimismus in die Kurse eingeflossen ist. Ob es sich aber die Geldpolitik leisten kann, angesichts hartnäckiger Inflation schon wieder Lockerungssignale zu geben, darf doch bezweifelt werden.

 

 

 

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Viel Lärm um nichts  

Frankfurt, 29. Juli 2022

 

In der letzten Juliwoche wurden viele wichtige Informationen über den aktuellen Stand zur Konjunktur und zur Inflation gemeldet. Für die deutsche Wirtschaft deutete insbesondere der ifo-Geschäftsklimaindex die große Unsicherheit an, die über den Unternehmen liegt. Diese rührt vor allem aus der ungewissen Energieversorgung im kommenden Winter. Die privaten Haushalte dagegen leiden unter den hohen Inflationsraten. Die Einschätzung der eigenen Einkommensperspektiven befindet sich in ganz Europa auf einem Allzeit-Tiefstand. Aber auch in den USA läuft es nicht rund: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte auch im zweiten Quartal, nachdem bereits das erste Quartal rückläufig war. Damit ist eine Diskussion entbrannt, ob eine größere Rezession bevorsteht. Hier ist es auch der Anti-Inflationskurs der US-Notenbank Fed, der über Zinssteigerungen die Wirtschaft auf Talfahrt geschickt hat und der gerade wieder mit einem weiteren großen Zinsschritt seine Fortsetzung gefunden hat.

 

Paradoxerweise hatten all die schlechten Nachrichten keine negativen Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Das lag auch daran, dass große Technologieunternehmen aus den USA für das abgelaufene Quartal gute Ergebnisse und für den Rest des Jahres einen positiven Ausblick meldeten. Für Aktien bedeutet dies jedoch solange keine Entwarnung, wie sich nicht neue Silberstreifen am Konjunkturhorizont zeigen. Auch bei der Inflation hat sich die Lage noch nicht wirklich verbessert. Zwar sank die Inflationsrate in Deutschland im Juli leicht auf 7,5 Prozent, aber immer noch ist ein großer Teil der gestiegenen Preise für Erdgas nicht in der Verbraucherinflation angekommen. An den Zinsmärkten gab es bereits Hoffnung, dass die avisierten Zinssteigerungen der Notenbanken wieder abgeblasen werden. Angesichts der weiterhin hohen Inflation ist dies jedoch unwahrscheinlich.

 

 

 

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Tauwetter für die Zinsen

Frankfurt, 22. Juli 2022

 

Nach mehr als zehn Jahren sind im Euroraum die Zinsen wieder erhöht worden.

Mit diesem Einstieg in eine straffere Geldpolitik werden nun auch in Europa die Zinsen wieder aufgetaut, die lange Zeit unter dem Nullpunkt festgefroren waren. Die Finanzmärkte hatten sich hierauf schon in den vergangenen Monaten eingestellt, daher gab es auf die Beschlüsse des EZB-Rates vom Donnerstag keine große Reaktion mehr an Aktien- und Rentenmärkten. Dass die EZB jetzt auf einen Anti-Inflationskurs einschwenkt, ist eine gute Entwicklung, denn die Verantwortung für die Inflation liegt langfristig ausschließlich bei der Zentralbank und bei niemandem anderen sonst.

 

Die Zentralbank kann die bisherigen Preissteigerungen nicht rückgängig machen und auch in den kommenden Monaten bleiben die Inflationsraten noch hoch. Das erinnert aber vor allem daran, dass kurzfristig der größte Teil der Inflation in diesem Jahr auf den russischen Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Preissteigerungen bei Rohstoffen zurückzuführen ist. Was die Notenbank jedoch verhindern muss, ist die Verfestigung der Inflation. Dafür hat die EZB nun die Grundlage geschaffen. Weitere Zinsschritte werden folgen. Im kommenden Jahr wird der Leitzins die Marke von einem Prozent wieder überspringen.

 

Für Sparer bedeutet dies, dass die Verwahrentgelte für Bankeinlagen zügig abgebaut und Guthaben wieder verzinst werden. Häuslebauer, Unternehmen und Staaten müssen sich jetzt darauf einstellen, dass Kredite nicht mehr nahezu kostenlos zu haben sind. Aktien- und Rentenmärkte haben die höheren Zinsen bereits eingepreist. Hier sind die Ertragserwartungen für die kommenden Jahre ebenfalls gestiegen. An den Immobilienmärkten werden die Auswirkungen noch ein wenig mehr Zeit benötigen. Insbesondere die rasanten Preissteigerungen bei Immobilien sollten durch die moderaten Zinssteigerungen ausgebremst werden. Gemessen an der langen Zeit extremer Tiefstände bei den Zinsen haben Wirtschaft und Finanzmärkte die geldpolitische Zeitenwende gut verkraftet.

 

 

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Energierisiken bremsen Märkte

 Frankfurt, 15. Juli 2022

 

Hierzulande dreht sich alles um die Erdgasversorgung. Es ist leicht durchschaubar, dass die russische Regierung über dieses Thema Keile in die westliche Allianz treiben will. Aber einen Deal von mehr Erdgas gegen die Rücknahme von Sanktionen wird es nicht geben, selbst wenn dies erhebliche konjunkturelle Unsicherheit in Europa mit sich bringt. In China hat sich die Konjunktur aufgrund der Corona-Einschränkungen im ersten Halbjahr deutlich eingetrübt. Es ist unwahrscheinlich, dass das Wachstum mit neuen Wirtschaftsprogrammen in diesem Jahr noch auf das Regierungsziel von 5,5 Prozent angehoben werden kann. Zu der Unwägbarkeit des wirtschaftlichen Ausblicks kommt hinzu, dass die Finanzmarktteilnehmer nicht mehr – wie in der Vergangenheit – auf die Unterstützung der Notenbanken setzen können. Sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) müssen sich jetzt auf die Inflationsbekämpfung mittels höherer Zinsen konzentrieren.

 

Vergangene Inflationsphasen haben gezeigt, dass es ein fataler Fehler wäre, auf die Erwartung einer Konjunkturschwäche Zinserhöhungen wieder abzublasen. In den USA wird der nächste Zinsschritt mit 0,75 Prozentpunkten sehr kräftig ausfallen. Auch die EZB wird auf ihrer Juli-Sitzung die Leitzinsen anheben, wobei ein kräftiger Schritt um einen halben Prozentpunkt das richtige Signal zur Reduzierung von Inflationserwartungen wäre. Ein zusätzliches Argument für einen deutlichen Zinsschritt wäre, dass er den Wechselkurs des Euro unterstützen würde. Dieser ist im Zuge der Krisenängste in Europa unter die Parität zum US-Dollar gesunken. An den Aktienmärkten herrscht vor diesem Hintergrund eine abwartende Haltung vor. Erst wenn die wirtschaftlichen Belastungen aus der Energieknappheit zuverlässiger eingeschätzt werden können, wird es an den Börsen neue Impulse geben.

 

 

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Belastete Aktienmärkte  

Frankfurt, 08. Juli 2022

 

Die Aussichten für die Wirtschaftsentwicklung haben sich in den vergangenen Monaten deutlich eingetrübt. Ursächlich ist, dass nach der Coronakrise mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit verbundenen Rohstoff-Preissteigerungen gleich die nächste Krise einsetzte. Im Juni sind die Aktienkurse an den europäischen Börsen noch einmal deutlich gefallen, und diese Abwärtsbewegung setzte sich in den Juli hinein fort. Allen Risiken voran steht gegenwärtig die Gefahr einer unzureichenden Energieversorgung in den Wintermonaten. Es wird immer deutlicher, dass die russische Regierung die Erdgas-Lieferungen als politische Waffe nutzt, um die westeuropäische Wirtschaft und Gesellschaft zu destabilisieren. Deutschland ist hiervon sehr stark betroffen, da es sich in der Vergangenheit in Unkenntnis der wahren Politikausrichtung Russlands in eine große Abhängigkeit von Erdgas-Lieferungen aus diesem Land begeben hat. Noch ist ungewiss, ob und in welchem Ausmaß Erdgas unter den Unternehmen rationiert werden muss und damit Produktionsprozesse beeinträchtigt werden. Für den weiteren Ausblick muss allerdings der Charakter dieser Belastungen in den Blick genommen werden.

 

Für die deutsche Volkswirtschaft handelt es sich um eine abgrenzbare Herausforderung, nämlich die Umstellung des Energiesystems auf eine Unabhängigkeit von russischen Lieferungen. Dies ist nicht in wenigen Monaten zu bewerkstelligen, allerdings wird diese Aufgabe mit der Zeit gelöst werden. Bereits im kommenden Jahr werden die Fortschritte beim Umbau der Energieinfrastruktur so weit sein, dass der Krisenalarm abgestellt werden kann.  An den Finanzmärkten steht jetzt vor allem diese Unsicherheit im Vordergrund. Sie sorgen für rückläufige Aktienkurse und ebenfalls starke Schwankungen an den Anleihemärkten. Dieser Einfluss wird wohl für den Rest des Jahres bestehen bleiben, denn eine größere Klarheit über die energiebedingten Belastungen von Unternehmen und Haushalten in Deutschland wird wohl erst im ersten Quartal des kommenden Jahres geben können.

 

 

 

 

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500 Euro für den Stadtfeuerwehrverband Kaufbeuren

Sparkasse unterstützt Kinderfeuerwehr

Der Stadtfeuerwehrverband freut sich über eine Spende von der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren
über 500 Euro. Der Betrag wurde für die Kinderfeuerwehr verwendet.
Die freiwillige Feuerwehr in unserer Region ist nicht nur im Brandfall da, sie leistet darüber hinaus
einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben. Mit ihrer Jugendarbeit führt sie Kinder und Jugendliche
frühzeitig an Verantwortung und Gemeinschaft heran. Die Nachwuchsgewinnung ist daher
ein sehr wichtiges Thema, deshalb wurde vor einigen Jahren die Kinderfeuerwehr gegründet. Dieses
Jahr gab es sogar eine Olympiade, bei der der Nachwuchs spielerisch gefördert und gefordert wurde.

Das Bild zeigt von links: den ehemaligen Stadtbrandrat Helmut Winkler und den Fachbereichsleiter
Jörg Peters Kinderfeuerwehr Kaufbeuren mit Franziska Waldner von der Sparkasse Kaufbeuren
Foto: Sparkasse Kaufbeuren

Angst vor Wirtschaftsflaute rückt in den Vordergrund

Frankfurt, 01. Juli 2022

 

Es war ein schlechtes Börsenhalbjahr 2022, ein schwacher Börsenmonat Juni und auch in der abgelaufenen Woche ging es für die Kurse südwärts. Die veröffentlichten Konjunkturdaten haben in den vergangenen Tagen ein gemischtes Bild abgegeben und sind kaum überraschend ausgefallen. Jedoch verschiebt sich der Fokus der Finanzmarktteilnehmer erkennbar. Die triste Gemengelage aus unterbrochenen Liefer- und Transportketten, hohen Rohstoffpreisen und in Europa drohenden starken Gaspreiserhöhungen hatten die Notenbanken auf den Plan gerufen: Schneller und weiter würden die Leitzinsen in diesem Jahr angehoben, um die Inflationserwartungen im Griff zu halten. Die Rezessionssorgen sind dennoch in den Vordergrund gerückt, denn die bisherigen und die angekündigten Zinssteigerungen belasten die Konjunktur und die hohen Inflationsraten drücken den Konsum der privaten Haushalte. Zusammen mit der generellen Verunsicherung aus steigenden Corona-Infektionszahlen und aus dem Krieg in der Ukraine, sorgt die befürchtete konjunkturelle Schwäche dafür, dass Anleiherenditen deutlich nachgaben. Die Frage lautet jetzt: Werden die Notenbanken doch weniger Zinssteigerungen vornehmen als noch vor kurzem erwartet?

 

Die Neuorientierung an den Kapitalmärkten hält an. Eine verlässliche Klarheit wird noch geraume Zeit auf sich warten lassen. Konjunkturdaten der neuen Woche wie die deutsche Industrieproduktion oder der US-Arbeitsmarktbericht werden beäugt, mehr aber auch nicht. Herausragende Bedeutung kommt der Kommunikation der Notenbanken und ihrer Erwartungslenkung zu. Dies gilt ganz besonders bei der Europäischen Zentralbank und der amerikanischen Fed, die sich Ende Juli zu Ihren nächsten Sitzungen treffen. Nicht nur bis dahin ist für schwankungsanfällige Märkte gesorgt.

 

 

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Konjunktur und Aktienmärkte im Sinkflug  

Frankfurt, 24. Juni 2022

 

Der Stress in der deutschen Wirtschaft nahm auch in der zurückliegenden Woche zu. Immer weiter steigende Preise für Energie, fehlende Vorprodukte, steigende Zinsen und verängstige Konsumenten verfinstern die Konjunkturperspektiven. Dies drückte sich in den vergangenen Tagen auch in einem deutlichen Rückgang des Unternehmensvertrauens aus. Dies ist nicht nur ein Thema in Europa, sondern auch in den USA, wo insbesondere die verschlechterten Finanzierungsbedingungen durch den Anti-Inflationskurs der Notenbank eine Rezession wahrscheinlich werden lassen. In Deutschland wird im laufenden Jahr die Wirtschaftsleistung wahrscheinlich stagnieren. Die bisherige Stütze der deutschen Konjunktur, der nach dem Ende der Lockdowns wieder erstarkte Dienstleistungssektor, bröckelt bereits wieder. Industrie- und Bauunternehmen haben zwar weiterhin volle Auftragsbücher, können diese aber nicht abarbeiten. Diese Eintrübung der Konjunkturaussichten sorgte an den Finanzmärkten erneut für deutliche Kursbewegungen. Während an den Anleihemärkten die Kurse – in Erwartung einer weniger stark straffenden Geldpolitik – stark anstiegen, setzten die Kurse an den Aktienmärkten ihren Sinkflug fort. Dabei ist eine der größten Herausforderungen die Energieversorgung im kommenden Winter.

 

Mittelfristig ist es sehr wahrscheinlich, dass Energie- und Rohstoffmärkte so umgebaut werden, dass etwa das russische Angebot an Schwellenländer geliefert wird, deren bisherige Bezugsquellen dann für Industrieländer frei wird. In der Folge würden die Rohstoffpreise wieder sinken. Diese Vorgänge benötigen allerdings Zeit. In diesem wie im kommenden Jahr werden die gegenwärtigen Themen der Produktionsschwierigkeiten und Energieknappheit weiter die Schlagzeilen und damit auch die Bewegungen an den Finanzmärkten bestimmen.

 

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