Konsequent gegen die Inflation

Frankfurt, 23. September 2022

 

Inflation ist für die Konjunktur nicht schmerzfrei zu beheben. Mit einem nächsten Jumbo-Zinsschritt von 0,75 Prozentpunkten verdeutlichte die Fed in dieser Woche, dass Inflationseindämmung vor Konjunkturrücksicht geht. Zwar blieb das Schockszenario einer Erhöhung um einen Prozentpunkt aus, trotzdem aber sind nun im kommenden Jahr in den USA Zinsen von über vier Prozent möglich. Damit erobern sich die Notenbanken an den Finanzmärkten Schritt für Schritt die Glaubwürdigkeit zurück. Diese hatten sie nach den zögerlichen Reaktionen im vergangenen Jahr verloren. Die große Frage an den Finanzmärkten lautet allerdings nun, ob die US-Konjunktur diesen Zinskurs ohne größere Schieflage übersteht. Gleiches gilt auch für den Euroraum, denn der Zinsschritt in den USA zeigt auch der Europäischen Zentralbank, wo es langgeht. Auch hierzulande werden die Zinsen weiter steigen, ebenso wie in vielen anderen Währungsräumen, denn die Inflation ist ein globales Phänomen. Die Aktienmärkte mussten diese konsequente Fortsetzung des Anti-Inflationskurses der Notenbanken erst einmal verdauen. Der Dax gab weiter nach, ohne dass es jedoch zu einem ausgeprägten Kursrutsch kam. Das gegenwärtige Umfeld wird auch in den kommenden Monaten anhalten. Erst nächstes Jahr werden die Notenbanken überprüfen, ob die bislang eingeleiteten Maßnahmen ausreichend sind, um die Inflation mittelfristig wieder zu bändigen. Sobald das Ende der Zinstreppe absehbar ist, dürften die Aktienmärkte auch wieder Impulse nach oben erhalten. Gleiches gilt für Anleihen. Sie sind nach dem stärksten Zinsanstieg seit Jahrzehnten wieder deutlich attraktiver geworden. Hier schauen die Marktteilnehmer noch sehr stark auf die Entwicklung der Bonität der Anleiheschuldner. Sollten sich die Konjunkturperspektiven wieder stabilisieren, stehen auch in diesem Marktsegment die Ampeln wieder auf grün.

 

 

 

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Kalte Dusche für die Börsianer

Frankfurt, 16. September 2022

Der Dax erlebte in den letzten Tagen eine Achterbahnfahrt. Mit etwa 13.000 Punkten in die Woche gestartet, legte er zur Wochenmitte um 500 Punkte zu, gab diese Gewinne jedoch schlagartig wieder ab. Der Grund für den plötzlichen Rückschlag lag in neuen Inflationszahlen aus den USA, die sich als kalte Dusche für die Börsianer entpuppten. Zwar sank die Inflationsrate leicht auf 8,5 Prozent, jedoch war der Rückgang geringer ausgefallen als die Inflationsbeobachter erwartet hatten. Allgemein wurde diese negative Überraschung so interpretiert, dass das Inflationsproblem eben doch hartnäckiger ist, als viele und insbesondere die Zentralbanken bislang wahrhaben wollten. Damit gerät auch die bisherige Annahme einer „weichen Landung“ der US-Wirtschaft, also die Vermeidung einer Rezession, ins Wanken. Wenn die noch immer zu hohen Inflationserwartungen in der Volkswirtschaft nur durch eine tiefe Rezession zu brechen wären, dann trübt sich der Konjunkturausblick für die gesamte Weltwirtschaft erheblich ein. Dies erklärt die starke negative Reaktion der Aktienmärkte auf eine einzige Wirtschaftszahl. Näheren Aufschluss darüber, wie es weitergeht, erwarten sich die Marktteilnehmer von der nächsten Notenbanksitzung der US-Zentralbank Fed. Es ist aber unwahrscheinlich, dass die Notenbanker Entwarnung geben, indem sie die geldpolitischen Zinsen wieder lockern. Das bedeutet, dass die bisherigen Zinssteigerungen bis auf Weiteres bestehen bleiben und sich sogar noch fortsetzen sollten. Dies gilt nicht nur für die USA, sondern auch für den Euroraum.

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Inflationsbekämpfung steht im Vordergrund

Frankfurt, 09. September 2022

 

Nach ihrem Spätstart nimmt die Europäische Zentralbank (EZB) Fahrt auf. Die Zinsen steigen weiter, und sie steigen stärker als erwartet. Zuletzt hatte sich die Datenlage zwar nicht mehr verschlechtert, aber die hohen Inflationsraten dauern bereits zu lange an. Das erhöht die Gefahr der Verfestigung. Vor diesem Hintergrund entschied sich die EZB für einen großen Zinsschritt von einem dreiviertel Prozentpunkt auf 0,75 Prozent bei dem derzeit als Leitzins geltenden Einlagensatz. Die begleitenden Aussagen lauteten, dass auch das Ende der Zinstreppe höher ausfallen könnte, als die Marktteilnehmer bislang erwartet hatten. Ein europäischer Leitzins von 2,5 Prozent im kommenden Jahr wird nun von vielen Analysten für wahrscheinlich gehalten. Für die Preisstabilität im Euroraum sind dies gute Nachrichten, denn sie zeigen eine eindeutig auf die Inflationsbekämpfung ausgerichtete Geldpolitik. Auch auf dem Parkett wurde das beherzte Handeln der EZB positiv aufgenommen. Der Euro legte gegenüber dem US-Dollar um einen Cent zu. Die Aktienmärkte reagierten nur kurzfristig irritiert, erholten sich allerdings schnell wieder. Lediglich an den Anleihemärkten gab es Kursverluste. Aber auch Anleihen sind auf ihrem Weg zu einer wieder höheren Attraktivität für die Anleger einen großen Schritt weitergekommen.

 

Die Geldpolitik hat sich nun auf einen Kurs zur Stabilisierung des Geldwerts begeben. Gleichzeitig bemüht sich die Finanzpolitik im Euroraum um eine Stabilisierung der Konjunkturentwicklung. Trotzdem werden insbesondere die Aktienmärkte in den kommenden Monaten eine abwartende Haltung einnehmen und genau beobachten, wie sich die Energiekrise in den Wintermonaten auf die Entwicklung von Wirtschaft und Unternehmensgewinne auswirken wird.

 

 

 

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Zinsanstieg verfestigt sich

Frankfurt, 02. September 2022

 

Auch in der abgelaufenen Börsenwoche bleibt die Inflation an den Finanzmärkten das beherrschende Thema. Die Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantiks machen immer stärker deutlich, dass aus ihrer Sicht mit den Inflationszahlen nicht zu spaßen ist. So mehrten sich jetzt die Stimmen aus dem europäischen Zentralbankrat, die bei der kommenden Sitzung im September eine Anhebung der Leitzinsen im Euroraum um drei viertel Prozentpunkte fordern. Angesichts des enormen öffentlichen Drucks, der mittlerweile von der ausufernden Teuerung ausgeht, gehen den Tauben im Zentralbankrat, also den Mitgliedern, die traditionell eher für eine laxere Geldpolitik plädieren, die Argumente aus.

 

Die Zinsen sind also zurückgekommen, um zu bleiben. Sie steigen wohl eher ein wenig mehr als viele Finanzmarktteilnehmer erhofft hatten. Diese enttäuschten Hoffnungen waren es, die an den Aktienmärkten nach der Zwischenerholung im August nun wieder zu deutlichen Korrekturen nach unten führten. Zusätzlich tragen die Unsicherheiten über die Konjunktur im Winter zu der gegenwärtigen schlechten Stimmung an den Börsen bei.

 

Das eröffnet allerdings auch wieder neue Potenziale. Denn es bleibt ja dabei, dass etwa an den Aktienmärkten europäische Unternehmenswerte im historischen Vergleich bereits wieder niedrig bewertet sind und die Dividenden üppig fließen. Bislang sind die meisten Unternehmen mit der Inflation gut fertig geworden, wie die aktuellen Berichte über das zweite Quartal belegen. Auch nehmen die Lieferkettenprobleme nun schneller ab als noch vor kurzem erwartet. In dem gegenwärtigen Stimmungsmix aus Zins- und Konjunkturängsten ist durchaus noch mit der einen oder anderen Schwächephase bei Aktien zu rechnen. Für den langfristig orientierten Anleger sind solche Phasen jedoch interessante Kaufgelegenheiten, denn sie sind oftmals der Grundstein für gute Renditen auf Jahre hinaus.

 

 

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Stimmung im Keller

 

Frankfurt, 26. August 2022

 

Die Gaspreise in Europa sind seit vergangener Woche nochmals kräftig angestiegen und mit ihnen die Inflationserwartungen und Rezessionssorgen. Die Finanzmarktteilnehmer preisten dies entsprechend ein, was zu Renditeanstiegen bei Staatsanleihen und Kursrückgängen an den Aktienmärkten führte. Auch auf dem Euro lastet die europäische Energiekrise schwer, der Euro-Wechselkurs zum US-Dollar rutschte Anfang der zurückliegenden Woche unter die Parität. In diesem Umfeld hoher Inflation und magerer Wachstumsperspektiven sinkt auch die Stimmung der Unternehmen weiter in den Keller. So gingen in Euroland die Schnellschätzungen der Einkaufsmanagerindizes für die Industrie und die Dienstleister abermals zurück, beide liegen im Rezessionsbereich. Diese Schwäche resultiert im Wesentlichen aus den Schwergewichten Frankreich und Deutschland. Auch die weiter nach vorne blickenden ifo-Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen signalisieren eine Rezession.

 

Kein Wunder, denn hierzulande schwindet die Widerstandskraft der Volkswirtschaft zunehmend. Zum einen schmälert die hohe Inflation die Kaufkraft und die Kauflaune, zum anderen belasten die Vorbereitungen auf einen möglichen Gas-Engpass im Winter. Diese reichen vom Einsatz teurer Energieträger bis hin zu selbstgewählten Drosselung energieintensiver Produktionsprozesse. Deutsche Unternehmen berichten von einer rückläufigen Nachfrage, die sich durch Stornierungen und Auftragsverschiebungen bemerkbar macht. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt könnte somit schon im dritten Quartal schrumpfen. Vor diesem Hintergrund muss der Euro wohl auf bessere Zeiten warten, bevor er sich gegenüber dem US-Dollar wieder sichtlich behaupten kann.

 

Nächste Woche werden zwei makroökonomische Indikatoren gemeldet, welchen die Notenbanker besondere Beachtung schenken: die Euroland-Inflationsdaten sowie der US-Arbeitsmarktbericht. Während Erstere die Leitzinserhöhungen der EZB weiterhin mehr als rechtfertigen dürften, wird Letzterer zeigen, inwieweit die im Vergleich zu Euroland deutlich höheren US-Zinsen bereits ihre Bremsspuren in der US-Wirtschaft hinterlassen.

 

 

 

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Inflation: Von Beruhigung keine Spur

Frankfurt, 19. August 2022

 

An den Märkten hingen offenbar die Erwartungen zuletzt so niedrig, dass sich die Aktienkurse sogar in einer Woche wie der soeben vergangenen überraschend gut halten konnten. Dabei fielen zu Beginn der Woche die Pegelstände am Rhein so tief, dass der Frachtschiffverkehr praktisch zum Erliegen kam. Die daraus resultierenden Transportprobleme schmerzen mehr denn je. Denn um den absehbaren Gasmangel mit Blick auf die Stromversorgung auszugleichen, brauchen die Kohlekraftwerke mehr Material. Dieses wird knapper und teurer, wenn es statt übers Wasser mühsam über die Schienen transportiert werden muss – von den Lieferkettenproblemen bei vielen anderen Gütern ganz zu schweigen. Umso größer ist zurzeit die Freude über jeden Tropfen Regen, der den Transport übers Wasser erleichtert. Beim Thema Inflation ist hingegen von Entspannung keine Spur. Vielmehr steigen die Inflationserwartungen gerade wieder an. Grund dafür sind die seit Anfang August sprunghaft gestiegenen Strom- und Gaspreise. Unternehmen und private Haushalte werden dies in Form von höheren Energiekosten zu spüren bekommen.

 

In der kommenden Woche richten sich die Blicke der Finanzmarktteilnehmer Richtung Westen. Die jährlich stattfindende geldpolitische Konferenz der US-Notenbank Fed in Jackson Hole startet am Donnerstag. Gerade in einer Zeit, in der die Unsicherheit sehr hoch ist, dürfte jedes Wort von Fed-Chef Powell auf die Goldwaage gelegt werden. Die Frage steht im Raum, wie weit die US-Notenbank mit ihren Leitzinserhöhungen gehen wird. Interessant könnten auch Kommentare von Notenbankern werden, die sich mit der möglichen Inflationsentwicklung in einer Welt mit auslaufenden Globalisierungseffekten beschäftigen. Für den kurzfristigen Konjunkturausblick sind dagegen die Veröffentlichungen der vorläufigen Einkaufsmanagerindizes sowie des ifo-Geschäftsklimas für Deutschland relevant. Von ernüchternden Signalen für einen „frostigen“ Konjunkturwinter kann ausgegangen werden.

 

 

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Erholung trotz widriger Umstände  

Frankfurt, 12. August 2022

 

Die Aktienmärkte setzten in der zurückliegenden Woche ihren Höhenflug fort. Zwar sind die Kurse noch meilenweit von ihren bisherigen Höchstständen entfernt, sie verharren allerdings auch nicht mehr im Tal der Konjunkturtränen, in dem sie noch in den vergangenen Monaten verweilten. Grund dafür gibt es eigentlich nicht, denn die konjunkturellen Perspektiven haben sich noch nicht aufgehellt. Im Gegenteil: Immer deutlicher zeichnen sich die Schäden ab, die die hohen Inflationsraten beim Konsumenten anrichten. Die vergangene Kauflaune macht sich auch bei immer mehr Unternehmen bemerkbar. Sie melden wegen der schwächelnden Nachfrage steigende Lagerbestände. Die diskutierten Ausgleichsmaßnahmen durch steuerliche Erleichterungen sind von der Entlastungswirkung her zwar wichtig. Die Debatte darüber verdeutlicht jedoch, dass der Staat nicht alle inflationsbedingten Wohlstandsausfälle ausgleichen kann. Die Ungewissheit über die Energieversorgung in den kommenden Monaten ist ebenfalls nicht geringer geworden, so dass sich Unternehmen mit Investitionen zurückhalten. Ebenfalls belasten die niedrigen Pegelstände an Rhein und weiteren wichtigen Wasserstraßen. Damit verbundene Versorgungsengpässe vor allen Dingen süddeutscher Unternehmen setzen hier noch eins drauf.

 

Zu all diesen negativen Entwicklungen steht das freundliche Börsengeschehen anscheinend in deutlichem Widerspruch. Hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Aktienmärkte eine starke Abkühlung des Wirtschaftsgeschehens bereits in den vergangenen Monaten vorweggenommen haben. Der Blick geht schon wieder weit ins kommende Jahr hinein. Und hier zählt vor allem, dass die Gefahr weiterer Zinssteigerungen über das bisher angenommene Ausmaß sehr stark nachgelassen hat. Dies äußert sich in einer Erleichterungsrallye. Damit dürfte jedoch an den Aktienmärkten das letzte Wort über die gegenwärtigen widrigen Umstände noch nicht gesprochen sein.

 

 

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Aktienmärkte trotzen der Politik

Frankfurt, 05. August 2022

 

Die abgelaufene Börsenwoche stand zu Beginn ganz im Zeichen der Geopolitik. Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hatte trotz Warnungen der Volksrepublik China Taiwan einen Besuch abgestattet. Das war der höchste Besuch eines US-Vertreters in den vergangenen 25 Jahren. Pelosi sicherte Taiwan, dessen Unabhängigkeit offiziell nicht anerkannt wird, Unterstützung für den Schutz der Demokratie zu. Die chinesische Regierung reagierte auf den Besuch mit wirtschaftlichen Sanktionen gegen Taiwan – nicht jedoch gegen die USA – mit einer deutlichen Ausweitung der militärischen Übungen um Taiwan und mit Drohungen gegen die USA. Die Episode deutet darauf hin, dass der in den letzten Jahrzenten schwelende Konflikt um die Unabhängigkeit Taiwans in eine neue Phase eingetreten ist.

 

Nirgendwo ist deutlicher zu erkennen, dass mit der wirtschaftlichen Erstarkung Chinas auch politische und militärische Gewichtsverlagerungen vor sich gehen. Zwar sprechen in naher Zukunft eine Reihe von geostrategischen Gründe gegen eine solche Konfrontation. Wie unsicher solche Einschätzungen jedoch sein können, hat der russische Angriff auf die Ukraine gezeigt, der auch langjährige Beobachter überraschte. Die Reaktionen an den Finanzmärkten hielten sich jedoch in Grenzen. An den Aktienmärkten gab es sogar geradezu eine Zwischenrallye mit Zuwächsen von mehr 5 Prozent in Deutschland und fast 8 Prozent in den USA. Hier sind es die Hoffnungen auf ein Nachlassen der geldpolitischen Straffung durch die Notenbanken vor dem Hintergrund unsicherer Konjunkturaussichten. Zwar ist es richtig, dass bereits viel Konjunkturpessimismus in die Kurse eingeflossen ist. Ob es sich aber die Geldpolitik leisten kann, angesichts hartnäckiger Inflation schon wieder Lockerungssignale zu geben, darf doch bezweifelt werden.

 

 

 

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Viel Lärm um nichts  

Frankfurt, 29. Juli 2022

 

In der letzten Juliwoche wurden viele wichtige Informationen über den aktuellen Stand zur Konjunktur und zur Inflation gemeldet. Für die deutsche Wirtschaft deutete insbesondere der ifo-Geschäftsklimaindex die große Unsicherheit an, die über den Unternehmen liegt. Diese rührt vor allem aus der ungewissen Energieversorgung im kommenden Winter. Die privaten Haushalte dagegen leiden unter den hohen Inflationsraten. Die Einschätzung der eigenen Einkommensperspektiven befindet sich in ganz Europa auf einem Allzeit-Tiefstand. Aber auch in den USA läuft es nicht rund: Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte auch im zweiten Quartal, nachdem bereits das erste Quartal rückläufig war. Damit ist eine Diskussion entbrannt, ob eine größere Rezession bevorsteht. Hier ist es auch der Anti-Inflationskurs der US-Notenbank Fed, der über Zinssteigerungen die Wirtschaft auf Talfahrt geschickt hat und der gerade wieder mit einem weiteren großen Zinsschritt seine Fortsetzung gefunden hat.

 

Paradoxerweise hatten all die schlechten Nachrichten keine negativen Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Das lag auch daran, dass große Technologieunternehmen aus den USA für das abgelaufene Quartal gute Ergebnisse und für den Rest des Jahres einen positiven Ausblick meldeten. Für Aktien bedeutet dies jedoch solange keine Entwarnung, wie sich nicht neue Silberstreifen am Konjunkturhorizont zeigen. Auch bei der Inflation hat sich die Lage noch nicht wirklich verbessert. Zwar sank die Inflationsrate in Deutschland im Juli leicht auf 7,5 Prozent, aber immer noch ist ein großer Teil der gestiegenen Preise für Erdgas nicht in der Verbraucherinflation angekommen. An den Zinsmärkten gab es bereits Hoffnung, dass die avisierten Zinssteigerungen der Notenbanken wieder abgeblasen werden. Angesichts der weiterhin hohen Inflation ist dies jedoch unwahrscheinlich.

 

 

 

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Tauwetter für die Zinsen

Frankfurt, 22. Juli 2022

 

Nach mehr als zehn Jahren sind im Euroraum die Zinsen wieder erhöht worden.

Mit diesem Einstieg in eine straffere Geldpolitik werden nun auch in Europa die Zinsen wieder aufgetaut, die lange Zeit unter dem Nullpunkt festgefroren waren. Die Finanzmärkte hatten sich hierauf schon in den vergangenen Monaten eingestellt, daher gab es auf die Beschlüsse des EZB-Rates vom Donnerstag keine große Reaktion mehr an Aktien- und Rentenmärkten. Dass die EZB jetzt auf einen Anti-Inflationskurs einschwenkt, ist eine gute Entwicklung, denn die Verantwortung für die Inflation liegt langfristig ausschließlich bei der Zentralbank und bei niemandem anderen sonst.

 

Die Zentralbank kann die bisherigen Preissteigerungen nicht rückgängig machen und auch in den kommenden Monaten bleiben die Inflationsraten noch hoch. Das erinnert aber vor allem daran, dass kurzfristig der größte Teil der Inflation in diesem Jahr auf den russischen Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Preissteigerungen bei Rohstoffen zurückzuführen ist. Was die Notenbank jedoch verhindern muss, ist die Verfestigung der Inflation. Dafür hat die EZB nun die Grundlage geschaffen. Weitere Zinsschritte werden folgen. Im kommenden Jahr wird der Leitzins die Marke von einem Prozent wieder überspringen.

 

Für Sparer bedeutet dies, dass die Verwahrentgelte für Bankeinlagen zügig abgebaut und Guthaben wieder verzinst werden. Häuslebauer, Unternehmen und Staaten müssen sich jetzt darauf einstellen, dass Kredite nicht mehr nahezu kostenlos zu haben sind. Aktien- und Rentenmärkte haben die höheren Zinsen bereits eingepreist. Hier sind die Ertragserwartungen für die kommenden Jahre ebenfalls gestiegen. An den Immobilienmärkten werden die Auswirkungen noch ein wenig mehr Zeit benötigen. Insbesondere die rasanten Preissteigerungen bei Immobilien sollten durch die moderaten Zinssteigerungen ausgebremst werden. Gemessen an der langen Zeit extremer Tiefstände bei den Zinsen haben Wirtschaft und Finanzmärkte die geldpolitische Zeitenwende gut verkraftet.

 

 

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