Leitzinswende

Frankfurt, 10. Juni 2022

 

Die Europäische Zentralbank hat die Zinswende eingeläutet. In der kommenden Julisitzung wird der EZB-Rat nach mittlerweile elf Jahren erstmals wieder die Leitzinsen anheben. Zunächst vorsichtig um 0,25 Prozent, danach im September möglicherweise auch um 0,5 Prozent. Bei den nachfolgenden Sitzungen wird es voraussichtlich weitere Anhebungen geben. Diese späte, aber deutliche Umkehr ist einer weiteren Wende der Notenbanker geschuldet, denn sie mussten eingestehen, dass die sehr hohen Inflationsraten nicht kurzer, vorübergehender Natur sind, sondern erschreckend ausdauernd. An den Kapitalmärkten war diese Erkenntnis schon vorweggenommen worden. Die Inflationserwartungen sind in den vergangenen Monaten sehr stark angesprungen und haben die Renditen an den Rentenmärkten dramatisch nach oben gezogen – in der abgelaufenen Woche nochmals sehr kräftig. Auch die Aktienmärkte ächzen unter den Inflationssorgen, ebenso unter Lieferkettenproblemen und schwindender Konjunkturzuversicht.

 

In der neuen Woche steht weiterhin die Notenbankpolitik im Mittelpunkt, denn nun wird die Fed in den USA den Zinsvorsprung voraussichtlich mit einer erneuten Leitzinsanhebung um 0,5 Prozent ausbauen. Hierbei wird besonderes Augenmerk auf den nachfolgendend avisierten Zinspfad gelegt werden. Aufgrund nachlassender Konjunkturdynamik, die nicht zuletzt von schwindender Kaufkraft der Verbraucher ausgebremst wird, glauben manche Marktbeobachter, die US-Notenbanker könnten bereits im Herbst ihren Zinspfad abflachen.

 

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