Kolumne Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, das Wertpapierhaus der Sparkassen

Europäischer Fortschritt

Frankfurt, 24. Juli 2020

Die Kapitalmärkte standen in den vergangenen Tagen ganz unter dem Eindruck der neuesten politischen Vereinbarungen in der Europäischen Union (EU). Mit dem Wiederaufbaufonds wird zum ersten Mal eine finanziell bedeutende Aufgabe – die Erholung der europäischen Wirtschaft nach der Corona-Krise – gemeinschaftlich angegangen. Das bietet Chancen, wenn denn eine gestärkte Wirtschaft auch den europäischen Zusammenhalt fördert. Dem stehen jedoch Risiken gegenüber, sollten eine schlechte Verwaltung der Mittel und fehlende Reformbereitschaft das gigantische Projekt verpuffen lassen. An den Finanzmärkten wird die Einigung der europäischen Staats- und Regierungschefs als ein mächtiges Signal für die Weiterentwicklung der EU begriffen. Deutlich wurde dies unter anderem durch die Aufwertung des Euros, aber auch anhand der gestiegenen Preise von Anleihen der Peripheriestaaten. Zudem profitierten die Aktienmärkte. Der Dax hielt sich größtenteils über der Marke von 13.000 Punkten. Erst zum Wochenende schwächelte das deutsche Börsenbarometer vor dem Hintergrund weiter ansteigender Infektionszahlen in den USA.

Erholung geht weiter

Zwar fallen die Unternehmensberichte über das abgelaufene zweite Quartal zufriedenstellend aus und auch die Wirtschaftsindikatoren zeigen weiterhin nach oben. Trotzdem gibt es Risse in diesem Erholungsbild. So wurden in vielen Branchen erst 20 bis 30 Prozent der coronabedingten Einbrüche wieder aufgeholt. Viele Unternehmen müssen deutliche Kostensenkungen angehen. In der kommenden Woche werden die Zahlen zum deutschen Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal noch einmal die Tiefe des Corona-Einbruchs verdeutlichen. Das ifo-Geschäftsklima sollte jedoch weiterhin positiv ausfallen, da die Erholung weitergeht. Die Inflation ist weiterhin auf dem Rückzug: Dank der Mehrwertsteuersenkung geht die Teuerung auf nur noch etwa ein halbes Prozent zurück.

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