Kolumne Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, das Wertpapierhaus der Sparkassen

Corona-Ängste dominieren den Aktienmarkt

 

Frankfurt, 6. März 2020

 

Eine weitere schlechte Woche für die Aktienmärkte, die weltweit um mehr als 5

Prozent nachgaben. Nachdem die Konjunkturexperten die neue Realität einer

extrem schnellen weltweiten Verbreitung des Coronavirus in ihre

Berechnungen eingebaut hatten, kam für viele Regionen der Welt eine leichte

Rezession für die erste Jahreshälfte heraus. Das gilt auch für Deutschland.

Dies wäre generell verkraftbar, sofern es danach wieder deutlich nach oben

ginge. Wie sich die Märkte weiterentwickeln, ist derzeit jedoch noch ungewiss.

Zum einen weisen die Ansteckungszahlen außerhalb Chinas noch nicht auf

den Höhepunkt der Verbreitung hin, zum anderen geht die Furcht vor einer

Selbstverstärkung der negativen ökonomischen Folgen durch Kursrückgänge

und weiteren Finanzstress um. Daher werden die kommenden Tage von

weiterer Zurückhaltung an den Aktienmärkten und weiter sinkenden Renditen

geprägt sein.

 

Märkte suchen neues Gleichgewicht

 

Die Sentix-Stimmungsumfrage unter Finanzmarktteilnehmern wird in der

kommenden Woche die Besorgnisse der Marktteilnehmer in einem deutlichen

Rückgang des Indexwertes zusammenfassen. Viel mehr interessiert allerdings,

was für Kauf- und Verkaufsentscheidungen die Finanzmanager gegenwärtig

ableiten. Erfahrungsgemäß streben viele große Marktteilnehmer zuerst nach

einer Reduktion ihrer Risiken, was den Druck auf Wertpapierkurse zunächst

erhöht, bevor wieder eine Umkehrbewegung einsetzt. Auf die Wahrnehmung

der Risiken kann auch die Europäische Zentralbank in den kommenden Tagen

einwirken, die bei ihrer turnusgemäßen Sitzung vorsorgliche Maßnahmen zur

Abmilderung der Finanzmarktbewegungen beschließen wird.