Kolumne Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, das Wertpapierhaus der Sparkassen

Aktienmärkte krankgeschrieben

 

Frankfurt, 28. Februar 2020

 

Weltweit korrigieren die Aktienkurse auch in dieser Woche weiter nach unten.

Den Hintergrund dafür bildet die Ausbreitung des Coronavirus in vielen

Ländern auch außerhalb Asiens. Dies lässt ähnliche Einschränkungen des

Wirtschaftslebens befürchten wie es in China in den vergangenen Wochen der

Fall war, mit ähnlichen negativen Auswirkungen für Wachstumszahlen,

Umsätze und Produktion bei Unternehmen und damit verbundenen

Gewinneinbußen. Selbst bei einem milderen Verlauf der Epidemie in anderen

Regionen der Welt als in China wären die wirtschaftlichen Erwartungen vom

Jahresanfang Makulatur. In der Abwärtsdynamik kann es zudem zu

Übertreibungen kommen. Eine Erholung an den Börsen hängt jetzt zusätzlich

sehr davon ab, dass sich keine negativen Eigendynamiken innerhalb des

Finanzsystems herausbilden.

 

Stimmungstest in China

 

Wirtschaftsdaten sind in Zeiten einer drohenden Pandemie wenig

aussagekräftig. Sie messen das wirtschaftliche Geschehen ein oder zwei

Monate in der Vergangenheit, und dies wird einem hoch dynamischen

Geschehen einer sich rasant ausbreitenden Viruskrankheit nicht gerecht.

Gerade deswegen liegt die Aufmerksamkeit in der kommenden Woche auf

den Ergebnissen der Stimmungsumfrage in der chinesischen Wirtschaft. In den

USA dagegen steigt das Wahlfieber mit der Nominierung der demokratischen

Präsidentschaftskandidaten in zwölf Bundesstaaten. Direkte Auswirkungen auf

die Aktienmärkte sind jedoch nicht zu erwarten, da sich inzwischen die

Chancen des Amtsinhaber Trump auf eine Wiederwahl verstetigt haben.