Kolumne Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, das Wertpapierhaus der Sparkassen

Ende einer Ära

Frankfurt, 25. Oktober 2019

Weniger die Wirtschaftsdaten als eine Personalie stand im Fokus der abgelaufenen Börsenwoche. Mario Draghi leitete seine letzte Zentralbankratssitzung. Umstritten wie die Geldpolitik in den vergangenen Jahren war, hat sie an den Finanzmärkten und in der Wirtschaft zu einer stabilen Entwicklung geführt. Obwohl der EZB-Präsident in seiner letzten Pressekonferenz von schwachen Wirtschaftsaussichten für den Euroraum berichten musste – die durch die Informationen aus dieser Woche bestätigt wurden -, blieben die Teilnehmer an den Aktienmärkten gelassen. Der Dax legte nochmals auf zwischenzeitlich neue Jahreshochs zu und befindet sich nun am oberen Ende seiner diesjährigen Seitwärtsbewegung. Ohne wirtschaftliche Impulse wird ein Ausbruch nach oben schwierig, auch weil die Notenbank unter Draghis Nachfolgerin Lagarde kaum mehr Munition für weitere geldpolitische Initiativen übrighat.

 

Schwaches Wachstum und Zinssenkung

Es steht eine US-dominierte Woche bevor. Zunächst dürften die Daten zum Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal Spuren einer Abschwächung auch für die US-Wirtschaft aufzeigen. Im Wiederwahljahr ist das für den amtierenden Präsidenten eine gefährliche Entwicklung. Neben dem Außenhandel dürften auch die Investitionen die wirtschaftliche Dynamik belastet haben. Ferner tagt die US-Notenbank Fed. Zwar herrscht über die grundsätzliche Notwendigkeit einer weiteren geldpolitischen Lockerung kein Konsens, eine Zinssenkung ist jedoch trotzdem wahrscheinlich. Schließlich gibt es auch aus dem Euroraum Wachstumszahlen. Sie geben Auskunft darüber, wie stark die europäische Wirtschaft im dritten Quartal von der weltweiten Abkühlung betroffen ist.