Kolumne Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, das Wertpapierhaus der Sparkassen

Politikchaos ohne Einflüsse auf die Märkte

Frankfurt, 15. März 2019

Wer will was im politischen Chaosbetrieb in London? Für das britische
Unterhaus ist bloß eine Sache klar, die aber an den Finanzmärkten die
einzig wichtige Botschaft ist: Es gibt keinen Brexit ohne Austrittsvertrag.
Damit bestätigte sich, was an den Märkten in den vergangenen Wochen
schon zunehmend in den Kursen eingepreist wurde. Insbesondere an der
Aufwertung des britischen Pfundes konnte dies abgelesen werden. Wie es
nun genau mit den Austrittsbemühungen der Briten weitergeht, ist für die
Wertpapierkurse nicht mehr so wichtig. An einer anderen Politikfront
dagegen gab es keine Fortschritte. Im Handelsstreit zwischen den USA und
China wurden die Entscheidungsfristen verlängert. Zwar gibt es erst einmal
keine Zollerhöhungen seitens der USA gegenüber chinesischen Importen,
eine Einigung ist aber noch weit entfernt. Die Finanzmärkte nahmen es
gelassen: Aktien und Anleihen beenden die Woche leicht erholt.

Brexit: Eine Frage des Wann …

Der Alptraum geht weiter: Theresa May wird die EU um eine Verlängerung
der Austrittsfrist über den 29. März hinaus bitten. Bis spätestens 20. März
will die britische Regierung den ‚May-Deal‘ dem Parlament zur dritten
Abstimmung vorlegen. Wird ihr ‚Deal‘ angenommen, strebt May eine
Verschiebung des Austritts bis zum 30. Juni an. Andernfalls will sie um eine
längere Verschiebung bitten. In der kommenden Woche werden die
Marktteilnehmer jedoch mehr auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank
(Fed) schauen und wie diese die wirtschaftliche Lage in den USA bewertet.
Ein Indiz zur europäischen Stimmung in der Wirtschaft liefern am Freitag
die Einkaufsmanagerindizes. Hier erhoffen sich die Beobachter Antwort auf
die Frage, ob es mit den negativen Konjunkturnachrichten langsam ein
Ende hat.

Kreis-und Stadtsparkasse Kaufbeuren
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